Samstag, 13. Oktober 2012

Der Fluch von Varanasi



Varanasi - das 'Venedig' des Indiens
Da war er nun gekommen, der Tag unserer Abreise aus dem schoenen Rishikesh – und wir waren absolut bereit fuer das Abenteuer Varanasi. Die Stadt, in die die ganze (Hindu-)Welt kommt, um zu sterben. Oder sich beim rituellen Baden im Ganges ein besseres naechstes Leben zu sichern. Von allen Seiten hoerten wir gemischte Meinungen ueber den heiligsten aller Hindu Orte: “der beste Zwischenstop unserer Reise…, eine tolle spirituelle Erfahrung…, dreckig und stinkend…, nur Abzocker und falsche Menschen…”. Das versprach ja spannend zu werden. Wir waren fest entschlossen, dass man den Ort einmal sehen muss, an dem sich Leben, Glauben und Tod so nahe stehen, und direkt nebeneinander vor den Augen aller Oeffentlichkeit abspielen…



Die Zugfahrt: Die Pechstraehne beginnt…

Die 13-stuendige Zugfahrt schreckte uns nicht wirklich ab, schliesslich war sie ueber Nacht, und bisher war das immer sehr angenehm: (halbwegs) gemuetliche Schlafkojen, nette indische Familien um uns herum, abends einschlafen und morgens relativ ausgeschlafen an einem voellig neuen Ort ankommen. Das lief auch soweit ganz gut – bis zum Aufwachen… Aufgeregt und gespannt was der Tag so bringt stand ich auf und wollte mir die Zaehne putzen. Ich ruettelte Tim wach, da er den Rucksack mit den Zahnbuersten hat – dachte ich! “Wieso, den hast du doch” kam es da nur verschlafen von oben. “Nein, ich habe ihn nicht! Ich dachte du…”. Oh nein! Panik stieg empor. Unser Rucksack! Wo zum Teufel ist der hin? Nicht dass ich besorgt um die Zahbuerste war, nein, in diesem Rucksack befand sich unser Samsung Netbook!!! Und jetzt soll es weg sein? Nein, das geht doch gar nicht! Wie vom Blitz getroffen sprangen wir auf und durchsuchten das komplette Abteil, verfolgt von verwirrt dreinblickenden Indern… Und es war die bittere Wahrheit, unser Rucksack – samt Laptop – wurde geklaut! Wir koennen uns bis heute nicht erklaeren wie das passieren konnte… Dann kam unsere Station, angekommen in Varanasi. Aussteigen! Ich blieb bis zur letzten Minute im Zug stehen, ich wollte es einfach nicht wahrhaben, der Rucksack musste doch im Zug sein! Leider werde ich das nie herausfinden, und stolperte voellig ausgelaugt und ueberfordert aus dem Zug, in die sengende Hitze… Namaste Varanasi…


Und der Stress hoert nicht auf…




Nach dem Schock mit dem Laptop wollten wir nur noch eins: ab in das schoene Hotel, das wir uns herausgesucht hatten und erst einmal herunterkommen… Das ‘Ganpati Guesthouse’ sollte direkt am Ganges liegen, mit schoenen bunten grossen Zimmern mit Blick auf den Fluss, und einem tollen Innenhof und Dachterasse. Genau das richtige um Varanasi doch noch halbwegs gut zu beginnen. Leider fuhren die Tuktuks vom Bahnhof aus nicht bis in die Altstadt, da die Gassen zu eng und verwinkelt sind. Ca. 15 Minuten Fussweg durch einen Irrgarten, in dem uns alle 10 Meter ein neuer 
Blick von unserem Rooftop
Inder in sein Hotel schleppen wollte. Egal, Augen zu und durch, es duerfte sich ja lohnen… Endlich da! Und… alles ausgebucht!!! Neeeeeeeiiiiin…. Ok, daneben steht ja ein aehnlich schoenes Hotel – auch ausgebucht! Das gibt es doch nicht…. Ein Inder an der Rezeption versprach uns in ein anderes “really nice” Hotel zu bringen. Da uns zu diesem Zeitpunkt dann Alles recht war, folgten wir seinem schnellen Schritt, unter der Last unseres immer schwerer werdenden Gepaecks und voellig durchgeschwitzt… Die Strassen wurden dreckiger, und der Eingang und die Rezeption des ‘Pooja Guesthouse’ sahen nicht sehr einladend aus. Genauso wenig einladend waren die Zimmer. Zwar sauber, aber heiss, ein Mini-Fenster und ein steinhartes Bett, und dafuer ganz schoen teuer – ca. 10 Euro ;)) … Hmmm… und nun? Naja, das Rooftop Restaurant war wohl das hoechste in der Stadt (und es war wirklich schoen, nachdem man die 4 Stockwerke mit Schwindel und Atemnot hinter sich gebracht hat). Also blieben wir…


Eindruecke von Varanasi: Drecksloch oder doch irgendwie schoen?

Hindus beim morgendlichen reinwaschen im Ganges
Also wir muessen sagen, wir haetten Schlimmeres erwartet. Die kleinen Gassen der Altstadt beherbergten (wie gewohnt) suesse kleine Shops, die Haendler priesen (wie gewohnt) ihre Ware an, Hindus tummelten sich (wie gewohnt) vor ihren kleinen Tempeln… Gut, ab und zu kamen auch die etwas stechenden Gerueche und Muell-Haeufchen zum Vorschein – wie gewohnt. Die Stadt war also nicht grossartig dreckiger als irgendwo sonst, wo es eben eine Altstadt mit engen Gassen gibt… Hmmm, schon mal eine ganz positive Ueberraschung…



Ganga Aarti
Dafuer gab es dann eine Enttaeuschung bei etwas, bei dem wir uns sicher waren, dass es ein einmaliges Erlebnis waere: Das traditionelle ‘Ganga Aarti’ – ein kraftvolles mystisches religioeses Ritual, das jeden Abend am Main Ghat (Ghat = Badestellen, Stufen die in den Ganges fuehren) zum Sonnenuntergang stattfand. Einer der Touristenmagnete Varanasis. Priester wuerden in Kostuemen ein Schauspiel mit Feuer, Gebet und Tanz auffuehren… Na das musste doch gut werden… Hmmm… Also entweder sassen wir auf der falschen Seite, oder die Goetter hatten gerade einen schlechten Tag und keine Lust uns zu begeistern. Eine halbe Stunde lang passierte erstmal gar nichts, ausser dass uns ein Bootsmann zum 100sten mal versuchte in sein Boot zu locken. Die anderen Touristen um uns herum waren ebenfalls enttaeuscht, was uns wenigstens versicherte, dass wir keine ignoranten Kulturbanausen waren… Ein kleines Highlight kam dann doch: die groesste Kuh (oder war es ein Bulle?), die ich je gesehen habe kam ploetzlich von unten die Treppen hochgestuermt! Waaaaaah, Alles sprang zur Seite, und… schade, ruckzuck war sie verschwunden und es wurde wieder langweilig ;) Wahrscheinlich haben wir einfach den falschen Tag erwischt…


Eine krasse, Varanasi-spezifische Erfahrung, die man nicht so richtig einordnen konnte, war unser Besuch am ‘Burning Ghat’ – eine der beiden Stellen am Ganges, wo tote Menschen in aller Oeffentlichkeit verbrannt werden! Beim Gedanken daran schauderte es uns doch ein wenig… Aber angucken mussten wir uns das trotzdem einmal. Wir entschieden uns dabei fuer das kleinere, nicht so touristische Burning Ghat. Von dem anderen Haupt-Verbrennungsort hatten wir viele Negativ-Stories gehoert ueber falsche Priester, die sich auf Touristen stuerzen und sie fuer die “Best Views” abzocken wollen… “Best Views” auf brennende tote Koerper, Abzocker am Sterbeort, und 100erte weisse Touristen mit klickenden Fotoapparaten – das war uns dann doch zu makaber… Als wir uns dem kleinen Ghat naeherten, wurden wir ploetzlich von einem Inder zur Seite geschubst: “Please, Madam, Sir, make some space”. Verbluefft drehten wir uns um: eine kleine Kolonne bewegte sich schnellem Schrittes auf uns zu, auf den Schultern einen umhuellten, mit Blumen geschmueckten Leichnam auf einer Trage… Brrrrr… Angekommen am Ghat kam direkt ein kleiner Mann auf uns zu, der uns anwies uns die Zeremonie von einem kleinen Vorsprung aus anzusehen, da die Stufen nur fuer Angehoerige waren. Gut, dachten wir, wenigstens noch ein bisschen “Privatsphaere” fuer die Familie… Der Koerper wurde zuerst im Ganges gewaschen, dann auf einer Art Scheiterhaufen aufgebahrt und angezuendet… Wir blickten auf die anderen beiden, schon laenger brennenden Haufen, bei einem konnte man die menschlichen Konturen erkennen… BBBBRRRRRRRR…. Nach 5 Minuten bat man uns dann zu gehen, was wir natuerlich respektierten und auch gerne taten…


Bootsfahrt zu Sonnenaufgang
Ein weiteres obligatorisches Erlebnis fuer Varanasi war eine Bootsfahrt zum Sonnenaufgang. Einer der Hotelangestellten wollte sich darum kuemmern. Also hiess es am letzten Morgen um 5:00 Uhr raus aus den Federn! Eigentlich wollten wir die Fahrt schon am Vortag machen, allerdings dachten wir mit 5:30 Uhr waere abends gemeint, und trafen spaeter auf einen verwunderten Bootsmann, der sich fragte wo wir denn waren :) Bloed gelaufen... 



Wir gingen diesmal also punktpuenktlich nach unten – alles war dunkel, die Hotelangestellten schliefen auf dem Boden, das Tor war verschlossen… Ploetzlich sprang ein Angestellter auf, und bat uns noch auf 2 andere Hotelgaeste zu warten… dann ging es los! Am Steg angekommen sollten wir dann auf einmal getrennt auf 2 Booten fahren… ???... Na klar, der wollte mehr Kohle von uns! Der Preis gilt schliesslich per Boot… Ha, aber nicht mit uns! Wir weigerten uns alle vier hartnaeckig, der Hotelangestellte wurde immer zickiger, aber gab dann am Ende doch nach… So nicht mein Freund! Die Bootsfahrt war dann wirklich endlich mal ein Traum!!! Die Sonne ging auf und erstrahlte in einem kraeftigen Pink, man sah die tollen alten Gebaeude (Varanasi ist eine der aeltesten Staedte der Welt), und die Hindus die sich froehlich im heiligen Wasser badeten und beteten. Ist doch viel besser als sich in die kalte dunkle Kirche zu hocken, oder?


Fazit: Magische Stadt mit schlechter Mentalitaet



Auch wenn es also in Varanasi durchaus schoene Seiten gab: Die generelle Mentalitaet verunstaltet das Ganze so ein bisschen. Vom ersten Tag an bemerkten wir, dass die Haendler aggressiver und aufdringlicher waren als sonst. Man fuehlte sich permanent eingeengt, und musste staendig auf der Hut sein dass man keinem Schwindler zum Opfer faellt. Die ganze Stadt ist verwebt in ein einziges grosses Fangnetz fuer Touristen, jeder erhaelt von irgendjemandem irgendeine Art von Kommission, wenn er irgendeine Ware/ Dienstleistung an den Mann bringt. Natuerlich ist nicht jeder Einheimische von grundaus schlecht. Wir haben auch wieder ein paar super nette Inder getroffen, denen wir voll und ganz trauen konnten. Aber auch die waren mit dem Verhalten ihrer Mitbuerger nicht einverstanden und beklagten, dass diese den Ruf ihrer Stadt verunstalteten. 

Ein paar Beispiele:

Unsere Bootsmaenner
1. Die Bootsmaenner, die uns weismachen wollten, dass eine Fahrt nun 600 Rupies pro Person (statt 150!) kosten sollte, da das Wasser im Ganges nun hoeher steht und man deshalb 3 Ruderer braucht statt 1… Na klar…

2. Der Tabla-Lehrer (Tabla ist eine traditionelle indische Trommel), bei dem wir fuer den naechsten morgen Tabla-Unterricht fuer 2 gebucht hatten: Wir mussten im Voraus bezahlen (ich weiss, selbst Schuld) und am morgen fiel ihm ein, dass er nur 1 Tabla hatte, und fragte ob nicht einer von uns Sitar lernen wollte… Und beigebracht hat er uns dann auch nicht viel, weil er eigentlich gar keine Lust hatte…

3. Der Typ, bei dem wir unsere Zugtickets nach Darjeeling gebucht hatten: Nicht nur hatte er uns den 18:30 Uhr Zug fest zugesichert, der sich dann doch in 21:20 Uhr verwandelte… Seine Komission von 150 Rs. insgesamt, wurde dann ploetzlich zu 150 Rs. pro Person… Ganz nebenbei erfuhren wir spaeter, dass der Zug gar nicht von Varanasi, sondern vom 1 Stunde entfernten Mughal Sarai abfaehrt! Oh Mann….

Was mich aber stets noch mehr auf die Palme brachte als die Betruegerei an sich, war dass jeder immer jegliche Schuld von sich wies, und am besten noch versuchte, sie uns in die Schuhe zu schieben. Jeder fuehlte sich sofort angegriffen wenn man ganz normal fragte: “Warum hast du das denn nicht eher gesagt”… Dem wurde geschickt ausgewichen mit Dingen wie “There is no train from Varanasi to Darjeeling” – “Ja, das wissen wir nun, aber warum hast du uns das denn nicht vorher gesagt????”


Versuch der Stadt zu entfliehen

Nach einer selbst organisierten Busfahrt fuer ca. 20 cent (statt der 30mal so teuren Tuktuk-Fahrt, die uns der Zugtyp anbot) kamen wir stolz am Bahnhof Mughal Sarai an, bereit das Kapitel Varanasi hinter uns zu lassen… Als wir in die Halle traten, trafen wir ploetzlich auf Simon – ein sehr netter und lockerer Neuseelaender, den wir kurz in Varanasi getroffen hatten. Wir hatten bereits Emails ausgetauscht, da er einen Tag frueher als wir ebenfalls nach Darjeeling reisen wollte… Aber warte mal – was macht er denn dann noch hier??? Wir fanden schnell heraus, dass Simon etwas Aehnliches passiert war wie uns, nur hatte er etwas weniger Glueck: Auch er wusste nicht, dass der Zug nicht von Varanasi faehrt, und fand es erst raus als es schon zu spaet war. Wieder einer ins Varanasi-Netz getappt… Aber dieses mal meinte es das Schicksal auf irgendeine Weise doch gut, denn wenigstens waren wir in netter Gesellschaft :) 

Das Team vom Bahnhof Mughal Sarai
Ha, das Schicksal meint es gut? In (oder bei) Varanasi? Hahaha… Wir blickten auf die Anzeige, und was wir neben unserem Zug sahen war unfassbar: 8 Stunden Verspaetung??? Neeeeeeiiiin! Das durfte doch alles nicht wahr sein… Wir liefen aufgeregt ueber den Bahnhof, in der Hoffnung dass es noch einen anderen Zug gaebe – gab es natuerlich nicht… Wir mussten uns wohl mit einer Uebernachtung am Bahnhof anfreunden – fuer Simon nun schon der zweite Tag Verzug! Da hat sich das Schicksal dann doch gedacht, dass es ein wenig hart mit uns umgegangen war, und schickte uns drei super nette und witzige Amerikaner: Sienna, Adina und Carl aus Seattle. Auch diese drei waren auf dem Weg nach Darjeeling und sassen fest. So beschlossen wir, alle zusammen zu bleiben, und vertrieben uns die Zeit mit Bierchen, spannenden travel stories und israelischen Kartenspielen. Wir schafften es sogar auch ein paar Stuendchen zu schlafen (der eine mehr, der andere weniger)… Leider war auch nach 8 Stunden die Wartezeit noch nicht vorbei: noch 2 Stunden mehr. Na gut, macht jetzt den Braten auch nicht mehr fett… Jetzt los? Nein, nochmal 2 Stunden – OK, was soll’s. Nach geschlagenen 18 Stunden sassen wir dann endlich alle zusammen im Zug, gluecklich und gespannt was wir alle zusammen in Darjeeling erleben werden… Und ihr duerft auch gespannt sein ;)

Freitag, 5. Oktober 2012

Rishikesh - Entspannung, Yoga und viel Essen...




Hmmmm... ein Pilger-Ort am Fusse des Himalayas, nahe dem Ursprung des Ganges, und die Geburtstaette des Yoga, in der die Beatles 1968 einen Monat im Ashram verbracht hatten... Das klingt doch mal nach entspannter Hippie-Atmosphaere :)


 


Ankunft

Nach einer (tatsaechlich) sehr angenehmen 17stuendigen Zugfahrt kamen wir in Haridwar an (ca. 1 Bus-Stunde von Rishikesh entfernt). Also so langsam sind wir echt drin im flow of India: Wir haben ganz allein direkt die Busstation gefunden haben, ohne uns grossartig mit den zahlreichen Tuktuk-Fahrern herumschlagen zu muessen. Dass die Busstation nur 100 m vom Bahnhof entfernt war ist dabei ja mal nebensaechlich. Allerdings gab es dann doch noch eine kleine Herausforderung: Herauszufinden wo unser Bus abfaehrt. Einfach nachfragen funktioniert in Indien naemlich nicht so richtig. Inder Nr. 1 schickt uns zu Busstand 17, dort angekommen sagt Inder Nr. 2 „Rishikesh? Noooo, not here, other side“. Dann Inder Nr. 3: „Yes, I know where, come with me“. Wieder Fehlanzeige. Egal, wir waren entspannt, gutgelaunt und hatten Zeit, und irgendwann wird man ja dann doch zum richtigen Bus geschliffen, wenn er schon fast am losfahren ist...


Mama’s Cottage


Ausblick von unserem Balkon
Nach erfolgreich gemeisterten Bus- und Tuktukfahrt kamen wir im Backpacker-Viertel „Highbank“ an. Beim Aussteigen empfing uns direkt eine kleine aeltere indische Dame und wollte uns in ihr Guesthouse locken. Sie war wirklich zuckersuess, aber wir wollten doch eigentlich in das Guesthouse gegenueber... Hmm... Die kleine Dame sagte uns, das dies ausgucht waere und wir doch lieber zu ihr kommen sollten. Wir wollten uns aber selbst ueberzeugen – und sie hatte recht... Also liessen wir uns dann doch bei der niedlichen Frau in „Mama’s Cottage“ nieder. Die beste Entscheidung unseres Lebens! Zimmer zum
Spottpreis, gross und mit warmen, orange gestrichenen Waenden, und ein
riesiger Balkon zur einen, und Blick zum Ganges auf der anderen Seite. Zudem kommt die knuddelige Besitzerin, Mama (so wollte sie stets genannt werden).
Und sie war auch so eine richtige kleine indische Mama – Keine Angst ihr beiden
Muetter daheim, euch kann keiner das Wasser reichen ;) „Mama“ begruesste
uns stets mit einem warmen Laecheln und wollte uns bekochen: „Come, Mama make nice dinner, eh“. Ihre Gaeste nannte sie „Son“ (Sohn), oder eben „Daughter“ (Tochter). Sie versuchte uns auch mit ihrem koestlichen „Banufia Pia Cake“ – oder besser bekannt als Banoffee Pie ;) - zu locken. „And sometimes Mama has beer also”(verschmitztes Laecheln bei Mama und Freudestrahlen bei Tim)...


Eindruecke von Rishikesh


Shiva-Statue an den heiligen Badestellen
Wow! Rishikesh war genau das Richtige nach den Abenteuern und Strapazen von den Staedten und der Wueste von Rajasthan… Vom ersten Moment an fuehlten wir uns verzaubert von diesem tollen Ort, umrandet von satt gruenen Bergen und geteilt durch den heiligen Fluss Ganges. Die zahlreichen Ashrams, Tempel und Badestellen, sowie die sich durch die Strassen und Maerkte schlaengelnden Pilger 

Chotiwala - Maskottchen eines Restaurant

und die bunt angemalten Hindu-Priester verliehen dem Ort eine echt magische Atmosphaere. Von ueberall ertoente Musik oder religioese Sprechgesaenge. Und man konnte dort Alles lernen bzw. erleben was gut fuer Koerper und Geist ist: Yoga, Meditation Ayurveda, Massagen, traditionelle indische Musikinstrumente (Tabla, Flute oder Sitar), oder auch indische Koch- oder Sprachkurse... 

Reisterassen auf dem Weg zu einem Wasserfa
Fuer den Ausgleich zwischen Entspannung und Adrenalin sollte es eigentlich Rafting, Kayaking und Bungee Jumping geben – Wow, dachten wir, Rafting auf dem Ganges! Das waer ja mal was... Leider hat uns der verspaetete Monsun einen Strich durch die Rechnugn gemacht, und alles was Action-gepackt ist und Spass macht war wegen Regengefahr bis auf den Tag gestrichen, an dem wir abgereist sind... Naja, vielleicht war das ja besser so, bei dem Haywoodschen Glueck und Geschick bei neuen Adventure Sportarten :)









Living Life Good...

Obwohl es sich nicht so sehr wie das Indien anfuehlte das wir bisher kannten, fanden wir den Mix aus den Hindupilgern, Backpackern und Aussteigern richtig toll und mal eine gute Abwechslung. Alles war so entspannt... Und ein grosser Vorteil der vielen westlichen Touristen war: das Essen!!! Zwar ist es uns eigentlich schon lieber traditionelles einheimisches Essen zu probieren, aber
Lemon-Mint Nana
nach den ganzen oeligen, salzigen kulinarischen Eskapaden in Rajasthan war Rishikesh eine absolute Wohltat! Unsere Lieblingsspeisen: Bruschetta auf knusprigem braunen Brot mit einem Berg von Tomaten, Zwiebel und Knoblauch; Israelische Falafel und Hummus Sandwiches – und das beste Getraenk ueberhaupt: „Lemon-Mint Nana“, eine Art alkoholfreier Mojito-Slush aus frischer Minze und Zitrone... Yum! 



Ich mit meinem Yogi
Und unser suesses Leben geht weiter: Ich bin tatsaechlich jeden morgen 2 Stunden zum Yoga gegangen. Das war echt eine Erfahrung, sozusagen direkt an der Quelle. Der Yoga-Lehrer war der Hit, mit seiner hohen nasalen Stimme, und seinem gesaeuselten, gebrochenem Englisch! Hahaha... Aber ich hab mir das Lachen gut verkniffen und alles sehr ernst genommen, und es tat wirklich richtig gut! Einmal kam Tim sogar mit!!! Ja, wirklich, ich erzaehl keine Maerchen! Haha, aber einmal hat ihm dann doch gereicht. Schade, und ich dachte ich koennte ihn zu seinem inneren Frieden fuehren :) Naja, Tim hat sich dann seinen ganz eigenen inneren Frieden gekauft: eine Gitarre! Endlich!! Und was fuer ein schoenes Stueck. Hoffentlich uebersteht sie die Reise. Und mal wieder ein Beweis wie Musik verbindet: kaum sass er auf dem Balkon und fing an zu spielen, gesellte sich ein Israeli zu ihm, Tom. Tom spielte ebenfalls Gitarre, und beide sassen von nun an oft zusammen und hielten kleine Jam Sessions ab...


Die Israelis

A pro pos Israelis... Die haben hier ja mal einen kleinen Abschnitt verdient. Denn ausser Tom gab es davon hier gefuehlte 1000. Egal wo man hinkam, die meisten weissen Gesichter waren aus diesem kleinen Konflikt-gepraegtem Land. Waehrend meines Studiums las ich oft darueber, dass junge Israelis traditionell nach den 2-3 Jahren (!) Wehrdienst – den Jungs UND Maedchen absolvieren muessen –eine laenger Auszeit nehmen und backpacken. Kann ihnen ja auch nicht wirklich jemand veruebeln. Allerdings ist ihr Verhalten dabei oft sehr fragwuerdig. Tom war da echt eine Ausnahme, und bestaetigte uns die Geruechte, dass Israelis immer in Gruppen reisen und Kommunen bilden, in denen kein Nicht-Israeli willkommen ist. Bloss kein Kontakt mit Anderen, und schon gar nicht mit Einheimischen. Ausser natuerlich im Restaurant oder Hotel, wo sie die Angestellten nach Strich und Faden schikanieren. Manchmal war es echt hart nichts zu sagen, wenn die wirklich super netten Kellner, die dort einen fantastischen Job machten, wegen Nichtigkeiten heruntergeputzt wurden... Man kann ja verstehen, dass nach der harten Zeit in der Armee der Drang gross ist, zu tun und zu lassen was man will, ohne sich an Regeln zu halten... Aber irgendwo gibt es eben auch Grenzen... Zudem waren die Israelis Schuld, dass es seit 2 Wochen in Rishikesh kein Bier mehr gab, da sie ihre Party’s und Exzesse zu bunt getrieben haben –  die Schweine!

(WICHTIG: Bitte beachtet, dass wir natuerlich nicht auf alle Israelis schliessen. Mit Sicherheit gibt es viele tolle, offene und nette Menschen da. Dies sind nur die Eindruecke aus Rishikesh.)


Unsere Einfuehrung ins Juwelier-Business
 
Der Tag unserer Abreise: Die Rucksaecke waren gepackt und wir wollten sie gerade in Mama’s Kammer verstauen, als uns ein Inder (wohl um die 50) ansprach. Es kam das Uebliche „Where are you from” und wir dachten uns noch nicht viel dabei. Als er hoerte dass wir aus Deutschland sind, begann er eine rege Unterhaltung mit uns, in ungewohnt gutem Englisch. Er sagte er sei oft in Deutschland, aus geschaeftlichen Gruenden. Das machte uns neugierig. Wir akzeptierten seine Einladung auf einen Chai (Tee mit Milch) und er erzaehlte uns, dass er ein Schmuckhaendler ist, der stets auf Geschaeftsreise durch die ganze Welt ist. Gerade kam er aus Myanmar, wo er die meisten rohen Steine kauft, und dann in Deutschland, Frankreich, Japan und dem Mittleren Osten fuer viel Geld an den Mann bringt. Er war unheimlich stolz auf seinen Beruf, und nahm uns mit in sein kleines abgeschottetes Zimmer, denn er wollte uns unbedingt seine „Schaetze“ von Nahem zeigen. Er oeffnete einen Koffer mit
Ich mit einer echten (und schweren) Rubin-Kette... Neeee danke
hunderten funkelnden Edelsteinen, zeigte uns Rubine, Saphire, Smaragde usw. und erklaerte uns wie der Hase so laeuft im Juwelen-Geschaeft. Und das Ganze ohne ernsthafte Absichten uns etwas verkaufen! Na gut, er hat es dann doch mal kurz versucht uns fuer eine (wirklich schoene) Kette einen “Freundschaftspreis”zu machen ;) Er lachte aber sofort und sagte “I’m sorry, it’s my business I have to...”. Danach erklaerte er uns viel ueber Indien, ueber gesellschaftliche und politische Probleme... Es war toll das alles mal aus dem Munde eines gebildeteten und relativ wohlhabenden Mannes zu hoeren. Zum Schluss lud er uns noch zu seiner Familie nach Delhi ein, falls wir es auf dem Rueckweg schaffen. Das war echt mal eine ganz andere „Real India“ Erfahrung in diesem sonst eher wenig-indischem Ort...


Baden im Ganges!

Bevor wir abreisten mussten wir noch einen ganz wichtigen Punkt erledigen: einmal Baden im heiligen Ganges! Denn der ist hier wirklich sauber, nur ein bisschen grau vom sandigen Boden, der das Wasser aber in einen super schoenen Glitzer huellte… Ich wollte jedoch nicht an den Badetreppem in der Stadt baden, sondern lieber ein Stueckchen laufen, in Richtung der schoenen, einsamen weissen Straende, die wir zuvor bei einem Rollerausflug von weitem gesehen hatten. Tim ist ja kein grosser Fan von „einfach drauf los laufen und gucken was kommt“. Aber nach anfaenglichem Protest konnte ich ihn dann doch ueberreden... denn alleine wollte er schliesslich auch nicht baden J Und da hat sich das loslaufen, ohne genau das Ziel zu kennen doch mal richtig gelohnt, oder? Ein traumhaft weisser Strand, den noch 4 andere Touristen entdeckt hatten und schon froehlich im heiligen Fluss herum plantschten. Zugegeben, die Stroemung ging schon ganz schoen ab. Aber solange man stehen konnte war es kein Problem. Jetzt sind wir also reingewaschen von all unseren Suenden ;)

Dann kann die naechste Zugfahrt nach Varanasi ja kommen – Gottseidank muessen wir dann dort nicht nochmal ins Wasser (Gemisch aus Leichen, Abfall und wer weiss was)... Entspannte Gruesse und bis bald... Namaste



Montag, 24. September 2012

Bikaner - eine Nacht in der Wueste

Da wir inzwischen schon wieder weitergewandert sind, gibt es nun schnell die naechste Story… Unser Kurztrip in die Wuestenstadt Bikaner sollte unser bisher praegendstes Erlebnis im Bezug auf das „echte Indien“ werden…

Ankunft in Bikaner – Vino’s Guesthouse

Tims gemuetlichste schlaf position
Nach einer sehr (SEHR) holperigen 7-stuendigen Busfahrt sprangen wir erleichtert (und unversehrt) aus dem Bus. Hinein ins naechste Abenteuer: Kamelsafari mit Uebernachtung in der Wueste! Ueber unsere beiden treuen Begleiter „Lonely Planet“ und „Trip Advisor“ sind wir auf „Vino’s Guesthouse“ gestossen. Vino, der Besitzer, ist so etwas wie der Kamel-Guru in Bikaner, seit 20 Jahren im Geschaeft und die Bewertungen versprachen nur Gutes. Gleichzeitig bietet er billige Uebernachtung in seinem grossen Haus an. „Klingt super“, dachten wir, endlich mal bei einer echten indischen Familie wohnen, mit leckeren hausgemachtem Essen von Mama und viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft… Als wir ankamen oeffnete uns Vino’s Sohn die Tuer, starrte uns nur apathisch an, sagte kein Wort. Eine Frau stand in der Kueche, sagte kurz Hallo, aber das war’s. Hm… und nun? Da oeffnete Vino’s juengste Tochter die Tuer, sagte nur kurz und abgehackt „Come, I show you room“. Ein Laecheln? Fehlanzeige. Vielleicht ist sie ja noch schuechtern? Leider falsch gedacht. Ohne Witz, in jedem Hotel zuvor fuehlten wir uns mehr willkommen als hier! Es erschien uns eher als ob sie von unserer Anwesenheit genervt waren. Kein Hallo, kein Laecheln, Nix! Der Einzige der dann doch richtig nett und gastfreundlich war, war Vino selbst. Bloederweise war er so gut wie nie da. Zwar blieben wir nach einigem Zoegern doch die 2 Naechte da, aber auch nur weil es billig war, und unser Trip in die Wueste eh im Vordergrund stand.

Kurze Eindruecke von Bikaner

Wie ruhig die waren kein schreien nur gucken
Direkt bei unserem ersten Trip ins Stadtzentrum ist uns aufgefallen, dass Bikaner vom westlichen Tourismus noch sehr abgeschottet ist, zumindest im Moment. Wir waren so ziemlich die einzigen weissen Gesichter, die auf den Strassen herumirrten. Alle Inder schauten uns dementsprechend hinterher, waren aber nicht wirklich aufdringlich. Die Haendler schrien uns nicht staendig hinterher, keiner versuchte uns etwas aufzuschwatzen, und alles war echt spottbillig! Sowas wie doppelte – oder auch mal 10-fache – Touristenpreise gab es hier nicht. Obwohl wir die Stadt an sich nicht so spannend – und viel zu heiss – fanden, war das doch mal ein angenehmer Wechsel…. Stop! Eigentlich haben uns die Einheimischen doch die ganze Zeit angequatscht. Aber nicht um uns etwas zu verkaufen, sondern nur um zu fragen „Hellooo! Whot iss yo name? Which country?“, oder „Can I help you? Where you going? I tell you way”… Verdammt nett, und auch lustig wenn sie mitten auf der Strasse mit ihrem Motorrad anhielten und den ganzen Verkehr behinderten, nur um uns kurz anzusprechen. Aber trotzdem auch immer noch seltsam…


Das Abenteuer Wueste beginnt

Unser Guide Harphool (Den in der mitte kenn ich nicht ;)
Nach einer unruhigen Nacht im steinharten Bett ging es nun also endlich los in die Wueste. Als wir beim Fruehstueck sassen wurde es mir ploetzlich etwas mulmig. Nicht nur dass wir die einzigen Teilnehmer waren, auch das ganze Ambiente im Guesthouse verunsicherte mich doch stark. Hatten wir uns wirklich den richtigen Anbieter ausgesucht? Dann kam hinzu, dass unser Guide nicht der coole junge Inder sein sollte, der uns am Vortag die Safari schmackhaft gemacht hat, sondern ein (relativ) alter Mann mit schiefen Zaehnen und ziemlich gebrochenem Englisch. Meine Vorfreude war schlagartig dahin. Tim versuchte mich aufzubauen und ueberzeugte mich schliesslich (halbwegs), erstmal abzuwarten. Und er sollte Recht behalten….

Mogli aka Camelman Tochter 
Bereits waehrend der rasanten (ca. 1-stuendigen) TukTuk-Fahrt zum Dorf der Camelmen (Kamel-Fuehrer) fing ich an Harphool (unseren Guide) zu moegen. Er erinnerte mich ein wenig an den Affen von Koenig der Loewen. Sein Lachen war auf jeden Fall aehnlich und sehr ansteckend. Unsere erste Station war das Haus des einen Kamelmannes. Eigentlich sollte es ja direkt weiter gehen, nur kurz die Kamele und den Wagen schnappen und ab… Haha, haben wir das wirklich geglaubt? Nein natuerlich nicht, wir kennen die indischen Zeitangaben schon gut genug. So warteten wir ca. 1 Stunde, die aber schnell verging, denn die Tochter des Camelmans hat uns gut auf Trab gehalten! Sie kam direkt lachend auf mich zugerannt, sprang um mich herum, zeigte mir den Hof, und begutachtete mich und meine Sachen. Sie wollte Alles einmal ansehen und anfassen, dann rannte sie wieder los, kam wieder zu mir und so weiter. Ein absolutes Energiebuendel! Tim fand, dass sie aussah wie Mogli J Das spannendste fuer sie war unser Fotoapparat, den ich ihr gern fuer ein paar Minuten ueberliess, und mit dem sie das ganze Haus und die Familie fotografierte. Hahaha, was ein Spass anzugucken… 

Dann zog sie also los, unsere kleine Karawane. Sie bestand aus einem Kamel zum darauf Reiten, und einem das den grossen Karren zog, der voll beladen war mit Wasser, Proviant, allem was wir fuer das Nachtlager brauchten – plus den zwei Kamelfuehrern, Harphool und Tim! Ich fand es zuerst schade, dass wir nicht beide ein Kamel zum Reiten hatten, aber Tim hat sich doch sehr gefreut – Kamelreiten ist wohl ziemlich schmerzhaft fuer Maenner! Harphool amuesierte sich koestlich darueber: „Hahaha, pain on coconut? Hahaha…“ So lustig wie es war, haben wir uns dann doch Sorgen um die Kinderplanung gemacht, deshalb war ich also die meiste Zeit auf dem Kamel, schliesslich wird bei mir nur der Hintern blau J Aber mir hat es nach einer Weile wirklich Spass gemacht! Man hatte sich mit dem Rhythmus des Kamels „eingegrooved“ und schaukelte so dahin, durch die Hitze und die Stille der Wueste…

Wuestenleben hautnah

Um das Ganze einmal zusammen zu fassen: Unsere 2 Tage in der Wueste mit Harphool und unseren beiden Camelmen waren einfach einmalig und unvergesslich! Man muss dazu sagen dass die Thar-Wueste nicht aus den grossen Sandduenen der Sahara, sondern ist – eher aehnlich wie Steppe – auch mit vielen Straeuchern und dornigen Baeumen versehen. Das tut aber der ganzen Atmosphere keinen Abbruch. Man reitet stundenlang durch diese ewige Weite, sieht Antilopen vorbeispringen und lernt durch Harphools grosses Wissen alles ueber die Bewohner der Wueste (Tiere und Menschen). Und man hoert nichts ausser das Traben des Kamels und das Klappern des Karrens, und… das innbruenstige Ruelpsen, Schleim-Hochziehen und Rumspucken der Kamelmaenner! Hahaha, das ist dort eben alles back to nature, lass alles raus, kratz dich wo es dich juckt, und befrei dich von allem was dich bedrueckt :)
 
Das wird mal ein leckeres stangen zuchini kuerbis curry gedoens
Eines der Highlights war fuer uns definitiv das Zubereiten des Mittag- und Abendessens. Auf unserem Karren hatten wir einen grossen Sack mit lauter frischem, selbstangebautem Gemuese, welches dann mit ordentlich Zwiebeln, Knoblauch und Chili angebraten, und mit 3 verschiedenen Pulvern versehen wurde. Tim hat immer ordentlich mitgemacht und ich wurde von den Maennern bekocht. Verkehrte Welt fuer die Inder J Das Beste war, dass wir lernten unsere eigenen Chapathis (indisches flaches Brot) zu machen. Alles wurde ganz frisch aus einfachsten Zutaten innerhalb kuerzester Zeit zubereitet und ueber einem Feuer aus Wuestenholz gekocht. Abgewaschen wurde dann mit dem Wuestensand! Und das funktioniert tatsaechlich!




Das Leben der Wuestenbewohner ist schon faszinierend, vor allem es so pur und hautnah mitzuerleben. Unser Weg fuehrte uns zu zwei provisorisch errichteten Haeusern, in denen die Menschen zur Erntezeit wohnen – Ja, in der Wueste wird richtig viel angebaut! Die Waende und der Boden wurden teilweise aus Kuh-Scheisse errichtet. Kein Witz! Eines der Haeuser gehoerte dem 2. Kamelmann. Dort lebt und arbeitet er zur Zeit (wenn er keine Touren hat) mit seinen 2 Toechtern und seinem Bruder, die uns herzlich in ihrem „Zuhause“ empfingen. Die beiden Maedels waren schon wieder zuckersuess, und so offen und energiegeladen, ueberhaupt nicht schuechtern! Wiedermal war der Fotoapparat das beste Spielzeug. Uns fiel auch auf, dass alle Maedchen hier irgendwie riesige Fuesse haben! Und auch oft eine „Mono-Braue“ ueber den Augen und ziemlich haarige Beine J Back to the roots eben… Achja, noch ein Tip wenn ihr durch indische Doerfer fahrt: Nehmt Stifte mit!! Das macht die Kinder dort super gluecklich und sie kosten ja auch nichts. Leider wussten wir das nicht vorher, und hatten nur 2 Kulis zu verschenken. Schade…


Die Nacht

Einer der Camelman beim chay kochen
Gegen 17 Uhr erreichten wir unser Nachtlager. Wow, was fuer ein grossartiger Platz! Sand, Duenen, aber auch ein riesiges gruenes Feld um uns herum, und eine Wasserstelle, in der sich die Bueffel abkuehlten. Und wieder einmal wurden wir begleitet von einer Gruppe von Wuestenkindern. Sie blieben lange bei uns sitzen (immer auf ca. 10 Meter Entfernung) und schauten uns einfach nur an. Hier ein schuechternes Laecheln, da ein verschmitztes Grinsen… So suess und unschuldig, aber auch voller Neugier… Harphool bot uns an ein Zelt fuer uns aufzubauen, was wir aber dankend ablehnten. Entweder ganz oder gar nicht! Wir wollten genau wie unsere Guides im Sand unter dem freien Sternenhimmel schlafen… Naja, diesen Plan haben wir dann doch abgewandelt als uns Harphool erzaehlte dass es Schlangen uns Skorpione gibt! Deshalb konnten wir auch kein Lagerfeuer machen. Er sagte, die Tierchen „schlafen“ zur Zeit (Monsunzeit) tief untem im Sand, aber durch die Waerme wuerden wir sie aufwecken… Hmm… Eigentlich sind wir uns ja sicher dass er uns da ein bisschen verarscht hat. Aber sicher ist sicher, also entschieden wir uns fuer Option 3 und schliefen unter freiem Himmel, aber auf dem Kamelwagen J Wow, was fuer ein einmaliges Erlebnis! Wir haben beide noch nie so viele Sterne am Himmel gesehen! Das war einfach unglaublich, und wir lagen direkt unter der Milchstrasse. Ein Traum… 

Alles in allem fuehlten wir uns nach diesem Abenteuer der Wueste und seinen Bewohnern sehr nah. Gleichzeitig sind wir jetzt aber auch reif fuer etwas Urlaub in Rishikesh… Aber das ist eine neue Geschichte…